Aus dem Alltag12. Oktober 20263 Min. LesezeitVideo

Was brennt? Um 7 Uhr weiß ich es.

Eskalationen im Service Desk früh erkennen – mit Regeln und KI

Der erste Blick ins Postfach am Morgen war bei mir oft der falsche. Heute beginnt der Tag mit einer kurzen Zusammenfassung – und mit einer Entscheidung statt mit Suchen.

Nils Rochholl am Steuer seines Autos auf dem Weg zum Kunden

Ich bin morgens oft schon unterwegs, bevor ich das erste Mal ins Postfach schaue. Und dann kommt der Moment: 30 neue Mails, ein Dutzend davon mit „Eskalation“ im Betreff. Was davon brennt wirklich? Was ist längst erledigt?

Einleitung: Viele Warnungen, wenig Wissen

Eskalationen sind gut gemeint. Das Ticketsystem meldet, wenn eine Frist reißt, wenn ein Ticket zu lange liegt, wenn ein Kunde nachhakt. Das Problem: Irgendwann kommen so viele davon, dass man sie nicht mehr liest. Und dann ist die eine wichtige genauso untergegangen wie die zwanzig unwichtigen.

Ich habe lange versucht, das mit Disziplin zu lösen. Hat nicht funktioniert.

Was heißt „Eskalationen früh erkennen“?

Es geht nicht darum, Eskalationen abzuschaffen. Es geht darum, sie einzuordnen, bevor ein Mensch draufschaut:

  • Ist das Ticket inzwischen erledigt oder beantwortet?
  • Betrifft es einen Vertrag mit kurzer Reaktionszeit?
  • Ist es die dritte Meldung zum selben Thema?

Wer diese Fragen jeden Morgen von Hand beantwortet, braucht dafür eine halbe Stunde. Wer sie nicht beantwortet, verpasst irgendwann das Wichtige.

So machen wir es: Regel zuerst, dann KI

Der Flow „Eskalations-Triage“: 17 Knoten, läuft jeden Morgen um 7 Uhr. Die KI-Bewertung hat ein zweites Modell als Rückfallebene.Zum Vergrößern klicken

Jeden Morgen um 7 Uhr holt der Flow alle Eskalationsmails über Microsoft Graph ab. Dann passiert es in zwei Stufen:

  1. Regelwerk: Feste Regeln prüfen, was eindeutig ist. Ticket geschlossen? Dann ist die Eskalation erledigt. Vertrag mit kurzer Reaktionszeit? Dann ist sie wichtig.
  2. KI-Bewertung: Was die Regeln nicht klären, liest eine KI und schätzt ein, wie dringend es wirklich ist. Ein zweites Modell springt ein, wenn die Antwort nicht im erwarteten Format kommt.

Danach wird ein Urteil gebildet – und die Regel schlägt die KI. Das war mir wichtig. Wenn eine feste Regel sagt „wichtig“, kann die KI das nicht wegdiskutieren.

Am Ende kommt eine kurze Zusammenfassung per Mail: was heute wichtig ist, was warten kann, was erledigt ist. Die erledigten Eskalationen räumt der Flow gleich in den Papierkorb. Die Zusammenfassung lese ich beim ersten Kaffee.

07:00Tickets lesenRegelnFrist & PrioritätKILage zusammenfassenTeamsKarte an DispoDispoentscheidetTANSSzugewiesen
läuft automatischbraucht einen Menschen

Drei Praxistipps für Ihren Service Desk

  1. Trennen Sie Regel und Einschätzung. Was eindeutig ist, gehört in eine Regel. Die KI ist für die Grauzone da, nicht für das Offensichtliche.
  2. Räumen Sie mit auf. Eine Zusammenfassung bringt wenig, wenn das Postfach danach immer noch voll ist.
  3. Messen Sie, ob es hilft. Wir zählen bei jeder bewerteten Eskalation die gesparte Zeit mit. So wissen wir, ob sich der Flow lohnt – statt es nur zu glauben.

Was passiert, wenn Sie nichts tun?

  • Wirtschaftlich: Verpasste Reaktionszeiten können Vertragsstrafen oder Gutschriften nach sich ziehen.
  • Für Sie persönlich: Der Tag beginnt mit Stress statt mit Überblick. Das merkt man bis zum Abend.
  • Beim Kunden: Er wartet auf eine Antwort, die längst hätte kommen können.

Häufige Fragen

Warum nicht einfach weniger Eskalationen einstellen?

Weil dann auch die wichtigen fehlen. Die Regeln im Ticketsystem sind ja nicht falsch. Es fehlt nur die Einordnung danach, und die übernimmt der Flow.

Was passiert, wenn die KI danebenliegt?

Dann greift die Regel. Was eine feste Regel als wichtig einstuft, bleibt wichtig, egal was die KI meint. Die KI darf nur in der Grauzone entscheiden, und auch dort sieht ein Mensch das Ergebnis.

Löscht der Flow Mails?

Er verschiebt erledigte Eskalationen in den Papierkorb, nicht endgültig. Was dort landet, steht vorher in der Zusammenfassung.

Fazit

Es geht nicht darum, eine Liste zu sortieren. Es geht darum, dass der Tag mit einer Entscheidung beginnt und nicht mit Suchen. Regeln sorgen für Sicherheit, die KI für den Blick in die Grauzone, und der Mensch entscheidet.

Wenn Ihr Postfach morgens auch so aussieht wie meins früher: Lassen Sie uns im Taktcheck draufschauen.

Nils Rochholl

Nils Rochholl automatisiert Prozesse für Unternehmen und Systemhäuser. Fragen zum Beitrag? Schreiben Sie mir: hallo@takteins.de

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